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Eiger Nordwand im August 2009

Im Folgenden findet ihr Johannes spannenden Bericht:

Der Mönchsbüffel Trip fand ein gutes Ende, alle überlebten! Nur die Psyche von Roland und mir hatte einen kleinen Schaden davon getragen. Viel gutes Zureden und zwei Tage Entspannung in Bern motivierten für das größere Projekt. 

Drei Tage später bauten wir unser Zelt unterhalb der Westflanke des Eigers auf. Es regnete in Strömen. Das einzig Erheiternde war der Dialekt von Bernhard und seinen Freunden aus der Inner-Schweiz.

Wir ziehen um, etwa 800 Meter über uns gibt es ein Biwak. Der erste Ausflug zum Pilz, ein Fels, der auf 3250 Metern Höhe liegt und nur über ein horizontal gespanntes Fixseil zu erreichen ist, macht uns klar: Das ist eine andere Kategorie von Highline!

Wir beginnen mit dem Aufbau, zwei Highlines sind möglich. Beim Abseilen habe ich Angst. Ich muss mich fast übergeben, die Tiefe zieht an mir, die großen Felsdächer, die sich über hunderte von Metern die Wand entlang ziehen, sind von einer anderen Dimension. Nebel zieht auf, von einer Sekunde auf die andere sieht man nichts mehr! Das Wetter am Eiger hat ein Eigenleben. 

Dean Potter kommt vorbei und springt - wie viele andere BASE Jumper auch - den Pilz herunter. Ich sehe Dean, wie er vielleicht zweihundert Meter unter mir seinen Wingsuit aufreißt, es knallt, und er fliegt von der Wand in Richtung Grindelwald davon.

Abends sitzen wir in unserem Nest und beobachten Lawinen, die auf dem Hang gegenüber in die Tiefe donnern. Unsere Mahlzeiten bestehen meistens aus Nudeln oder Teigwaren, wie die Schweizer sagen. Der Schlaf ist kurz aber erholsam. 

Die lange 35 Meter Highline kann ich nicht laufen; Bernhard kämpft, nach unzähligen Versuchen schafft er es aber, die Line zu begehen.

Sobald ich aufgestanden bin, verliere ich jegliche Orientierung und muss sofort catchen. Wenn der Nebel so stark ist, dass nichts mehr zu erkennen ist, ist oft nicht einmal das Aufstehen mehr möglich.

Für die kleinere Line oberhalb des Pilzes brauche ich unzählige Versuche. Die Ausgesetztheit scheint mich schier zu zerreißen, bei jedem Catch muss ich nach rechts in die Nordwand schauen. Diese Perspektive werde ich nicht vergessen: Komplett kompakter Fels, stark überhängend und irgendwann aufgrund der Höhe nicht mehr klar zu erkennen. Oft klippe ich mich nach einem gescheiterten Versuch mit einem Karabiner in die Line und beobachte die Wand unter mir. 

Irgendwann dann, nach vielen Stürzen, konnte ich die Line in beide Richtungen gehen. Große Erleichterung macht sich in mir breit und ein Gefühl, für das es sich lohnt, solche Strapazen auf sich zu nehmen. Pures Glück!

Bernhard läuft die kürzere Highline solo, Roland filmt, ich fotografiere oberhalb der Line. Alles geht sehr schnell, krampfhaft versuche ich nur, durch den Sucher der Kamera zu schauen; das Klicken des Spiegels wirkt beruhigend. Durch den Sucher sieht das, was Bernhard macht, surreal aus. Nach etwa 6 Minuten ist alles vorbei. Bernhard steht wieder auf dem Pilz, schwankt und lässt sich auf den Bauch fallen. So bleibt er etwa zehn Minuten liegen. 

Endlich wieder fester Boden unter meinen Füßen! Ab dem Zeitpunkt, wo wir auf die Jungfrauen-Bahn warten, die uns von der Eiger Gletscher Station nach unten bringt, weiß ich, jetzt kann nichts mehr passieren. Alles ist gut gegangen! 

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