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One inch away from flying

Niklas hatte die einzigartige Gelegenheit, eine Highline zwischen zwei Heißluftballons zu laufen. Dabei brach er ganz nebenbei den Weltrekord für die höchste Highline über Grund. 
Unter dem Video findet ihr seine persönliche Eindrücke von der Aktion.

Line Facts:

Ort: Nahe Barcelona, Katalonien
Datum: 24. April & 5. Mai 2017
Länge: 15 m
Höhe: 1400 m über Grund & 1800 m masl
Besonderheit: 2 m ungelevellt, hohe Spannung, räumlich bewegte Ankerpunkte
Athleten: Niklas Winter, Fabian Raffl und Matthias Dilitz

Niklas Bericht:

Als ich 2014 Matthias beim BASE jumpen kennenlernte, haben wir uns sofort gut verstanden. Nebenbei ist er außerdem noch Speedflyer, Gleitschirmflieger und sogar auch Highliner. Ein echter Outdoor/Abenteuersport Fan und dabei stets gelassen. Als er dann letztes Jahr zum ersten mal erwähnte, er würde eine Highline zwischen zwei Heißluftballons planen und ich könnte gerne mitkommen, war ich natürlich begeistert. Eine höhere Highline wird man wohl nie laufen können. Nochmal eine komplett neue Erfahrung. Und mit einem Ballon bin ich auch noch nie geflogen…

Natürlich hat es nicht gleich beim ersten geplanten Termin geklappt und ich hatte die Aktion erstmal wieder vergessen. Bis Matthias mich schließlich April diesen Jahres kontaktierte und meinte in zwei Wochen wäre es soweit, allerdings in Katalonien. Ich habe mir also prompt Urlaub genommen, meine Freundin Alexa und noch einen weiteren Freund, Chris, in meinen Bus gepackt und wir haben uns von München auf den Weg Richtung Barcelona gemacht.
Der erste Stopp war die Schlucht von Verdon, wo wir zwar keine Highline gespannt haben, aber dafür viel geklettert sind und ich am Ende sogar noch einen BASE jump machen konnte um danach mit Chris wieder 5 Seillängen nach oben zu klettern.
Nach einem erfrischenden Zwischenstopp an einem See und einem entspannten Nachmittag in Barcelona waren wir in den Bergen von Montserrat nochmal am Klettern. Für mich war es sehr interessant nach vier Jahren nochmal an den Ort unserer Spaceline Aktion zurückzukehren und diesmal selbst Cavall Bernat mit Alexa und Chris zu erklimmen. Für einen BASE jump war es jedoch leider zu windig.

Danach war es schließlich Zeit für die Ballon Aktion. Wir trafen uns am Vorabend auf einem Feld mit Matthias und seinen Freunden. Hier sollten wir am nächsten Morgen mit den Ballons abheben. Es ging ein ziemlich starker Wind, es war kalt und ungemütlich. Ich konnte mir noch nicht so recht vorstellen, wie das Ganze am nächsten Tag ablaufen sollte.

Am nächsten Morgen ging dann alles ganz schnell. Die Ballon-Fahrer kamen mit ihrer Crew und hatten in Windeseile alles vorbereitet und dann ging es auch schon los. Fallschirm anziehen und rein in den Korb und ab nach oben. Wir hatten es eilig, da später am Tag stärkere Winde entstehen und den, bis auf Höhenänderungen, unmaneuvrierbaren Ballons Probleme bereiten können. Wir waren drei Personen, die sich an der Highline versuchen wollten. Die Ballons konnten allerdings nur etwa 1 ½ Stunden in der Luft bleiben, bis das Gas ausging. Deshalb entschieden wir uns gar nicht erst mit Leash zu laufen und sofort aufs Ganze zu gehen.
Dann war es endlich soweit. Matthias, der Initiator der Aktion, durfte als Erster ran. Allein vom Zuschauen war ich schon richtig aufgeregt. Eine Line zu laufen, in so einer Höhe, die du noch nie davor probiert hattest, ohne Sicherung, alle schauen dich gespannt an… und dann auch noch die Bewegungen der Ballons. Mal war der eine Ballon höher, mal der andere, mal drehten sie sich im Kreis, mal blendete die Sonne, dann war wieder Schatten… Und dazu immer wieder das plötzliche Nachheizen der Ballonfahrer. Es war alles Andere als einfach. Matthias atmete tief durch und stand das erste Mal auf… und musste catchen. Die Körbe wackelten durch die Luft. Er probierte es nochmal und konnte den ersten Schritt machen. Doch dann verlor er das Gleichgewicht, griff nach der Line, doch sie glitt ihm aus den Fingern und weg war er.

Als Nächster war Fabian an der Reihe. Nach ein paar Versuchen hatte er das Gefühl für die Line gefunden und lief sie bis ans andere Ende, wo er sich mit einem spektakulären Sprung an den Korb ans Ziel rettete.

Nun war also ich drann. Noch immer war ich aufgeregt und als ich auf die Line rausrutschte wurde ich auch nicht gerade entspannter. Beim Aufstehen fing es bereits an: Ich hatte Probleme meinen hinteren Fuß zum auf die Line zu bekommen, da die Ballons teilweise ein zwei Meter unterschiedlich hoch flogen und die relativ kurze Line auch härter gespannt war, als ich es gewöhnt bin. Aber Ausreden finden sich immer… trotzdem war ich überrascht, dass ich mich nicht entspannen konnte. Ich wusste, dass überhaupt nichts passieren konnte. Trotzdem hatte ich nicht das Gefühl, dass ich die Line kontrollieren könnte, was mich natürlich wiederum verunsichert hat. Aber das Gefühl kennt wohl jeder, der schon mal auf einer Highline war. Der einzige Ausweg ist, es trotzdem zu probieren und damit den Teufelskreis zu durchbrechen. Denn natürlich kann ich auch eine hart gespannte kurze Line laufen.

Nach ein paar Versuchen, bei denen ich vielleicht ein zwei Schritte vorwärts kam, konnte ich schließlich den Rest der Line überqueren. Endlich kam das Selbstvertrauen zurück. Der zweite Versuch war ein buchstäblicher Selbstläufer. Während es Fabian nochmal leicht aussehen ließ, setzte ich mich selbst bereits wieder etwas mehr unter Druck. Als ich dann noch erfuhr, dass das Gas knapp wird und die Kamera nur noch eine Minute Akku hat war von der Entspanntheit beim zweiten Lauf nicht mehr viel übrig. Als ich gleich nach dem Aufstehen wieder das Gleichgewicht verlor, entschied ich mich nicht zu catchen, sondern mich stattdessen von der Line in den Abgrund schleudern zu lassen. Ab jetzt war der Druck weg und ich konnte den freien Fall voll genießen. Für die Landung hatte ich verglichen mit normalen BASE jumps sehr viel Zeit und riesige Landeflächen. Der Teil war also die geringste Übung. Als ich vom Boden dann nochmal Richtung Ballons blickte, wurde mir erst richtig klar, was wir da gerade eigentlich gemacht haben. Es war ein lustiger Anblick die beiden Ballons aneinander kleben zu sehen, mit einer dünnen Line verbunden.

Zum krönenden Abschluss sprangen dann noch Roland und Simon mit ihren Acro-Gleitschirmen aus den Körben und wirbelten um die Ballons. Alles in allem war es definitiv eine aufregende Aktion. Auch wenn ich es am liebsten gleich nochmal probiert hätte war ich trotzdem zufrieden. Und wie es der Zufall so wollte war es nicht die letzte Ballon-Highline für mich. Im Rahmen einer Wette durfte ich den Stunt drei Wochen später nochmal für RTL wiederholen.

Die Aktion war vorbei, der Tag noch jung, also ging ich mit Pao, einem spanischen BASE jumper, der ebenfalls aus den Ballons sprang, noch zu einer Antenne um noch einen richtigen BASE jump zu machen. Nachdem der Schirm gepackt war und der Wind auch mitgespielt hat ging es zu der Antenne. Etwa 80 Meter hoch, freistehend, von Feldern umgeben. Gut zum Landen, aber aufregend für den Kopf, weil sie einen geringen Durchmesser hatte und ab einer bestimmten Höhe auch durchaus anfing zu wackeln. Oben angekommen bereitet wir unsere Ausrüstung vor, um schließlich zu springen. Alles lief gut, wir waren glücklich, der Tag war ein voller Erfolg.

Für mich und meine Mitreisenden ging es jetzt auch schon wieder zurück Richtung Deutschland. Wir legten noch einen Kletterstopp in Monaco ein um dann schließlich mitten in der Nacht zurück nach München zu kommen und am nächsten Morgen wieder in die Arbeit zu gehen. Ein gelungener Kurzurlaub!

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