English Suche

Building Bridges

Nach monatelanger Vorbereitung haben wir dieses symbolische Projekt im Monument Valley verwirklicht. Es konnte nur Realität werden, weil so viele Leute aus Deutschland und den USA gemeinsam dasselbe Ziel verfolgt haben.
Lest Niklas Bericht, um einen Einblick in unsere persönlichen Erfahrungen zu bekommen.

Line Facts der deutsch-amerikanischen Balloon Highline:

Ort: Monument Valley, USA
Datum,: 25. Oktober 2018
Länge: 10 m
Höhe: 500 m über Grund & 2000 m masl
Besonderheit: Handspannung, ungelevellt, 3D-bewegende Ankerpunkte
Athlet: Niklas Winter

Erlebnisbericht von Niklas Winter

25. Oktober 2018. Monument Valley, Utah.

 

Der Wecker klingelt um 4:30 Uhr. Das Monument Valley mit seinen markanten, roten Sandsteinformationen liegt noch vor uns in der Dunkelheit verborgen, vereinzelt sind Nebelschwaden zu erkennen und das erste Tageslicht am Horizont zu erahnen. Die Wettervorhersage verspricht optimale Bedingungen, wie von allen lange erhofft, nachdem wir die letzten fünf Tage immer wieder abrechen mussten aufgrund von schwierigen bzw. eigentlich unmöglichen Konditionen. Der heutige Tag ist wie geschaffen für das monatelang geplante Event und wohl auch der einzige, an dem ein derart anspruchsvoller Stunt gelingen kann. Die Aufregung im gesamten Team ist deutlich zu spüren und die Müdigkeit steckt allen in den Knochen, die letzten Wochen waren intensiv. Mit fünf Fahrzeugen steuern wir samt dem Equipment zum Startpunkt am Hangar, wo noch im Dunkeln die Ballone abgeladen und ausgebreitet werden, um sie mit dem Ventilator mit 120.000 Kubikfuß Luft zu füllen. Vorsichtig werden die ersten Flammen in die Ballons gefeuert. Die beiden riesigen Flaggen liegen wie zwei schlummernde Riesen nebeneinander auf dem roten Wüstensand und richten sich mit zunehmend heißer Luft auf. Während die Ballons ganz knapp über der Erde schweben, wird die Slackline an den Körben befestigt. Noch bin ich ganz ruhig und entspannt, meine Motivation steigt beim Blick in die endlose Weite, in welcher im Vollmondschein die Felstürme am Horizont zu erkennen sind. Ich lege meinen Fallschirm an, die Piloten- und Kamerateams sind auch schon startklar. Wir alle warten gespannt auf das erste Tageslicht, nur das gleichmäßige Feuern der Flammen in die Ballonhüllen durchdringt die morgendliche Stille. Tim und Zac, unsere amerikanischen Ballonpiloten, geben das Startkommando. Dann geht es los: die Leinen werden losgemacht und die Piloten bringen die Brenner auf volle Power. Bei einem Meter pro Sekunde steigen die beiden glühenden Riesen mit uns in der Morgendämmerung auf in den wolkenlosen Himmel. Der Wind ist kaum spürbar, dennoch bringt er die Heißluftballone während unseres Aufstiegs in eine leichte Seitwärtsbewegung. Der Boden entfernt sich immer weiter unter unseren Füßen. Nach einer knappen halben Stunde sind wir auf gut 500 Metern angelangt, die Piloten versuchen die Ballons kontrolliert auf einer Ebene zu halten, nichtsdestotrotz drehen sie sich stetig um die gemeinsame Achse. Als die Sonne aufgeht und es um uns herum immer heller wird, wird mir bewusst, dass es gleich soweit ist. Das gleißende Sonnenlicht erfasst die Felstürme und lässt das Monument Valley unter uns in feurigem Rot erstrahlen. Die Buttes, Three Sisters und Totem Pole werfen lange Schatten in die karge Wüstenlandschaft – ein Bild für Götter. Jetzt kommt die Aufregung, ich merke wie ich anfange zu zittern und nicht mehr ganz so locker bin wie noch vor ein paar Minuten, was mir gleich beim Laufen auf der Line sicherlich nicht so hilfreich sein wird. Aus der Entfernung ist bereits der Hubschrauber zu hören, er dreht große Kreise um unser Gespann, die ersten Momente werden von Kameras festgehalten und letzte Absprachen per Funk mitgeteilt. Alle sind auf Position, der Moment ist gekommen. Ich tausche noch ein paar letzte Blicke mit dem Team aus, checke meinen Baseschirm und schwinge mich dann über den Rand des Deutschlandballonkorbes auf die Line, wo unter uns in der Tiefe das Navajo Nation Reservat liegt. Langsam rutsche ich nach vorne in eine sitzende Startposition – die Ballons sind gerade relativ ruhig. Relativ schnell kann ich mich zum ersten Versuch überwinden. Ich atme tief durch und setze einen Fuß vor den anderen. Nur zehn Meter sind es rüber zum amerikanischen Ballon. Als ich stehe, merke ich, dass die Line ziemlich wenig Spannung hat und unerwartet wacklig ist. Zweifel überkommen mich, ob ich im Falle eines Sturzes die Line noch fassen könnte, Gedanken, die mich dann auch relativ schnell zum Catchen bringen. Den zweiten Versuch hab ich inzwischen irgendwie schon vergessen. Aber es muss weitergehen, alle warten gespannt darauf, sowohl mein Team hier oben in der Luft als auch die anderen unten im Tal. Ein drittes Mal begebe ich mich in den Sitzstart. Fokus. Dann stehe ich auf, spiele mit dem Gleichgewicht. Ich spüre wie die Line unter mir wackelt und die Ballone sich gleichzeitig um die gemeinsame Achse drehen. Mit jedem Schritt fühle ich mich sicherer. Wie automatisch setze ich einen Fuß vor den anderen. Es ist schwieriger zu laufen als gedacht, die Line ist zwar kurz, aber sehr locker, fast schon wie eine Rodeoline. Die Chance jeden Moment runterzufallen erscheint mir groß. Die Unsicherheit problemlos catchen zu können und Zweifel kommen auf. Es nicht zu schaffen wäre gravierend, so viel Energie wie in den letzten Monaten in das Projekt gesteckt wurde. Ich versuche die Gedanken auszublenden und laufe weiter. Durchhalten, nur noch ein paar Schritte bis zum amerikanischen Ballon. Auf dem letzten Meter springe ich Richtung Korb, hänge am Rand des Ballons, die ganze Situation ist sehr intensiv, das ist das Einzige, an das ich mich noch so richtig erinnern kann – allen stockt der Atem. Ich ziehe mich wieder hoch in den Korb, das Kamerateam klopft mir auf die Schulter. Wir steigen höher in den Himmel hinauf, die Luft wird gefühlt immer unruhiger und es dreht uns die ganze Zeit. Auf 1500 Metern angelangt, ist es Zeit für den Rekordversuch. Ich bin noch so voller Adrenalin und unter Strom vom vorherigen Versuch, bei dem ich alle Reserven in mir mobilisiert habe und gekämpft. Alle reden mir gut zu. Sie versuchen mir den Druck rauszunehmen, was alles andere als leicht ist, in 1500 Metern Höhe mit zwei Kamerateams plus Helikopter Crew – alle Augen sind auf mich gerichtet, die Erwartungen hoch, der Druck unsagbar groß. Nachdem ich mich kurz gesammelt habe, rutsche ich noch einmal auf die Line. Uns bleibt nicht viel Zeit, das Gas in den Flaschen reicht nicht mehr allzu lange aus. Tim, unser Ballonfahrer besteht darauf in Kürze zu Abstieg und Landung anzusetzen.

Vor lauter Adrenalin spüre ich die Kälte an meinen nackten Füßen kaum. Ich atme noch einmal tief durch und setze einen Fuß vor den anderen. Die letzte Chance auf den Weltrekord. Bei jedem Versuch aufzustehen bekomme ich meinen Fuß kaum hoch auf die Line, meine Knie sind ganz weich, ich zittere, kann mich einfach nicht mehr beruhigen. Auch wenn ich noch so sehr versuche, runterzukommen. Noch einmal reiße ich mich zusammen, fokussiere und drücke mich nach oben zum Stehen. Doch wie erwartet verliere ich schnell die Kontrolle über mein Gleichgewicht, ich werde mit dem ganzen Körper nach hinten geschleudert, rückwärts hinab in eine schnelle Rotation, die Line schießt an mir vorbei. Ich falle. Nach einigen Saltos gewinne ich wieder an Kontrolle, bremse ab und öffne kontrolliert meinen Schirm. Ich vergesse Raum und Zeit und kann endlich genießen. Zwei, drei Minuten, ich weiß nicht wie lange, fliege ich über die rote Wüstenlandschaft vorbei an den Sandsteinformationen des Tribal Parks, wo ich auf einem sandigen Streifen Erde setze ich sanft zur Landung an. Ich zittere am ganzen Körper, eine Sensation, die noch bestimmt 20 Minuten anhält, weil sich alles so intensiv anfühlt. Ich fühle mich lebendig, unbeschreiblich glücklich. Unvergesslich und unvergleichbar mit meinen bisherigen Aktionen. Definitiv ein ganz besonderer Tag in meinem Leben.

1 Comment

Telefonicon

+4917684828426

Mailicon

Schreib uns!