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Waterline Weltrekord im Schnalstal

Im Rahmen der 25 Jahres Feier des Ötzi Fundes im Schnalstal (Südtirol) beging Alexander Schulz eine 535 Meter lange Slackline über den Vernagter Stausee und verbesserte damit den alten Rekord um mehr als 100 Meter.
 

Im Folgenden Alex Bericht:

Nachdem bis zu 100 km/h starke Sturmböen das Überqueren der 650m langen Nylon Highline in der französischen Auvergne unmöglich gemacht hatte, fuhren wir von dort direkt ins idyllische Schnalstal in Südtirol. Zuerst sah es danach aus, als ob uns der Wetter-Gott schon wieder einen Strich durch die Rechnung machen würde, anfangs war nämlich starker Sturm mit Regen vorhergesagt.

In der Tat war das Laufen auf der vereisten Highline über dem Schnalstaler Gletscher alles andere als angenehm; Bei mehreren Grad Minus & Schneefall überquerte ich diese 105 m lange Highline, doch zuvor musste ich erst einmal über die komplette Line ziehen, um die 5 cm dicke Schneeschicht loszuwerden. Zusätzlich zu Eis und Schnee gesellte sich eine weitere Herausforderung: Aufgrund der für diese Länge geringen Höhe von ca 25 m war die Slackline als auch das Backup sehr fest gespannt. In Summe kein Zuckerschlecken, aber eine gute Vorbereitung auf die 535 Meter lange Waterline, auf die ich gleich nach meiner Wiederankunft im "Taal" stieg. Der auf 1689 m gelegene "Vernagter Stausee" wechselt stetig seine Farbe und ist von hohen alpinen Bergen umgeben. Visuell eine waschechter Traumort für eine lange Waterline. Aufgrund der geringen Höhe der Ankerpunkte mussten wir sie jedoch vergleichsweise fest auf rund 8 kN vorspannen. Aber alles ist relativ, vor 5 Jahren hätte man 8 kN bei dieser Länge sogar noch für sehr slack gehalten und mindestens auf 20 kN (2 Tonnen!) angeknallt. Ich komme mit solchen Lines zum Glück immer noch gut klar und lief im ersten Versuch bis zur Mitte, wo ich nach meinem ersten Fall ins 5° Celsius kalte Wasser einen Exposure Turn machte und dem Publikum zuwinkte, das sich an der Uferpromenade versammelt hatte. Dank Neopren wurde mir auch durch den zweiten Fall nicht zu kalt, sodass ich voller mentaler Zuversicht und körperlicher Wärme den Rückweg versuchen konnte. Den ganzen Lauf über wehte ein leichter Wind, der die Slackline etwas stabilisierte. In der Mitte bouncte ich bis ins Wasser. Auf den letzten 20 Metern begleitete mich die anwesende Blaskapelle. Suboptimalerweise hatte die Slackline 4 volle 360° Drehungen, die sich jetzt alle vor mir versammelt hatten. Glücklicherweise konnte ich sie jedoch komplett eliminieren, indem ich den vorderen Fuß so aufsetzte, dass er auf der anderen Seite der Line als der Hinterfuß stand. Dies ermöglichte es mir bis zur Banane zu laufen; nach dem Absitzen trennten mich nur noch ein 2,5 Meter langer Anaconda Flaschenzug vor den Umarmungen meiner Freunde und der Glückwünsche der Schaulustigen.

Alles in allem verbrachte ich im Schnalstal eine geniale Zeit und es wird sicher nicht unser letztes Mal dort gewesen sein!

Ein großes Dankeschön an alle Beteiligten und für die Hilfe durch die Einheimischen! Es hat Spaß gemacht, mit euch allen zu arbeiten; die Gastfreundschaft (und das Essen) waren einmalig, Danke!!!
 

Line facts:

Länge: 535 m
Vorspanung: 8 kN
Durchhang: 10 m
Spannsystem: Anaconda Flaschenzug (9:1 Fädelung)
Band: Dyneema 34 g/m von Elephant Slacklines
Laufstil: Eine Richtung (half man)
Datum: 18.09.2016

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