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Polyester Highline Weltrekord am Hochkönig

Nachdem es beim ersten Mal im Frühjahr 2012 nicht geklappt hatte, war es an der Zeit zurückzukehren um die "BIG"-Line noch einmal zu spannen. Für die mit 110 Metern längste Polyester-Highline der Welt konnte es keinen schöneren und alpineren Ort geben als die Mandlwände im Hochkönigmassiv. Damals war sie nur einige wenige Meter kürzer als die absolut längste Highline, die aber auf Hightech gelaufen worden war.


Lest im Folgenden Alex Bericht:


Am Samstag, den 1. September 2012, fuhren Clemens, Johannes, Mirko, Marinus, Klaus und ich zum Hochkönig bei Salzburg. Dieses mal nicht nur, um wieder die 110m „BIG“ Highline aufzuspannen, sondern auch um unser Slackline Festival vorzubereiten, dass dort am folgenden Wochenende stattfinden würde.


Während am Arthurhaus die Vorbereitungen für das Raiffeisen Club Slackfest Hochkönig liefen, starteten Clemens, Klaus und ich am Sonntag Vormittag den Aufstieg zum Spot der „BIG“ Line auf 2500m. Die ersten 700 Höhenmeter der insgesamt 1000 HM führten über steile Grashänge; die letzten 300 Höhenmeter, die durch eine etwa 60 Grad Steile Rinne führen, sind aufgrund der recht hohenSteinschlaggefahr und teilweise 3er Kletterstellen der anstrengenste und gefährlichste Teil der Tour. Auf das gesamte Gebirge bezogen sterben in dieser Rinne jedes Jahr die meisten Menschen! Also war oberste Vorsicht und volle Konzentration angesagt. 
Als wir die Line Ende Mai das erste Mal aufgebaut hatten, lag in den obersten 500 HM noch Schnee. Dies hatte den Auf- und vor allem den Abstieg deutlich vereinfacht und beschleunigt, nachdem wir erst einmal die Rinne mit 400m Fixseilen abgesichert hatten. Mit den Seilen für die Verbindung benötigten wir damals insgesamt 700m an Seilen. 500m davon konnten wir uns dieses Mal sparen, sodass wir das gesamte Material in nur 3 mittelschweren Rucksäcken unterbrachten. Trotzdem war der gesamte Aufstieg immer noch ein zehrendes Unterfangen.
In der Scharte angekommen, teilten wir uns auf: Clemens fing an, in der Rinne die Verbindung zu legen; Klaus stieg die 100 HM zum Gipfel der Schneeklammköpfe auf, um von dort ein 135m langes Seil in die Scharte zu werfen. Ich kletterte unterdessen auf den anderen Fixpunkt – den Teufelsturm – um dort ebenfalls ein Seil herunterzuwerfen und den Fixpunkt zu bauen. Als ich damit fertig war sprintete ich zur Spannseite, um dort Klaus abzulösen, der an der Verbindung abgeseilt war, da diese sich in der Wand verhakt hatte. Clemens hatte inzwischen unten in der Rinne die Verbindung gelegt, sodass ich die zusammengebundenen Seile hochziehen konnte. Sobald ich damit fertig war, mussten wir uns auch schon wieder an den 2-stündigen Abstieg machen, um diesen nicht im Dunkeln zurücklegen zu müssen. 

Am Montag stieg ich mit Hannes auf. Nachdem beide Fixpunkte fertig waren und die Line über das Gap gezogen war, hätten wir eigentlich die Line spannen können, aber leider fiel uns bei Spannbeginn ein Teil der Banane runter, sodass wir die Line slack hängen lassen und am nächsten Tag mit einem Ersatzteil wieder kommen mussten.

Am 3. Tag stieg neben Hannes und mir Charlie mit auf, der am Morgen mit Anatolij angekommen war. Da der Abmarsch sich bis Mittags hinauszögerte, kamen wir erst um 15 Uhr oben an. Ich musste nochmal auf den Teufelsturm, um dort den Anker zu backupen. Danach fingen Hannes und Charlie mit dem Spannen der Line an. Ich kam zu den beiden rüber und spannte mit Charlie fertig. Nachdem wir noch ein paar kleinere Arbeiten wie z.B. Padden erledigt hatten, war die Line eine Stunde vor Sonnenuntergang endlich laufbereit.
Jetzt hieß es: auf die Line und Testen! Obwohl das Setup 5 g/m leichter als beim letzten Aufbau war, endete jeder meiner Versuche nach nicht einmal 10m. Die Orientierung fiel mir sehr schwer, da der graue Fels des Teufelsturms sich nicht vom grauen Fels dahinter abhob und noch dazu die Sonne genau in Laufrichtung stand, sodass sie mich blendete und mein Fixpunkt im Schatten lag. Ich hatte sogar einen Leashfall nur 5m vom Anker entfernt und riss mir dabei die Blasen an den Fersen auf, die ich vom Hochlaufen bekommen hatte. Wir hatten zwar kein Pflaster dabei, aber zum Glück hatte Hannes DIE Idee: Eine Bananenschale und darüber ein Tempo auf den blutigen Fuß getapt. Damit war der Abstieg erträglicher als mit jedem Hightech-Pflaster.


Die nächsten 3 Tage waren wir alle mit der Vorbereitung des Festivals beschäftigt. Unsere größten Probleme dabei waren ein Mangel an natürlichen Fixpunkten sowie an ebenem Boden. Dank Mirkos vor Ort hergestellten A-Frames sowie Peter Radachers Gerätschaften (ein Bagger für die Trickline, 2 Traktoren für die Longlines sowie einen Radlader für die Haus-Highline) konnten wir trotzdem alle geplanten Lines aufspannen!
Als das Festival Samstag Mittag im vollen Gange war, machte ich mich dies Mal alleine auf den Weg zum BIG Line Spot. Als ich kurz vor 15h oben angekommen war, musste ich erst einmal nachspannen. Alleine war das ein Kraftakt, aber nach einer Stunde hatte die Line schließlich eine Spannung von knapp 1,2 Tonnen (12 kN). Das waren 200 kg mehr als ich eigentlich wollte, aber nochmal den Linegrip einhängen hätte zu lange gedauert, denn die Zeit drängte: Es war schon wieder nur eine Stunde vor Sonnenuntergang und der Hexakopter Pilot Michael Radeck wartete darauf, mit seinem Fluggerät aus der Luft zu filmen. Also auf die Line mit mir. Ich rutschte mit dem Lineglider bis auf ein Drittel raus und probierte von dort aus den Rückweg, um mich an die Line zu gewöhnen. Es klappte besser als ich erwartet hatte, sodass ich diesen Abschnitt 3 mal lief. Bei diesem dritten Go stürzte der Hexakopter wegen eines Magnetfeldes, das seine Orientierung störte, leider ab. Meine Orientierung war auch nicht die Beste als ich die danach probierte, von der Mitte zum Teufelsturm zu laufen, da die untergehende Sonne m ich blendete und ich erschöpft war. Wegen einbrechender Dunkelheit stieg Michael nicht wie geplant mit den andern Beiden ab, sondern verbrachte aus Sicherheitsgründen die Nacht mit mir und dem inzwischen ebenfalls aufgestiegenem Christian Kruse in der Scharte.
Den nächsten Morgen ließ ich langsam angehen und unterhielt mich viel mit Michael und Chris, sodass es 14 Uhr wurde, bis ich dann endlich zum Fixpunkt auf den Schneeklammköpfen hochstieg. Die Spannung passte noch, also legt ich sofort los. Wie am Tag zuvor startete ich bei einem Drittel und rutschte dann bei jedem weiteren Versuch immer weiter raus, bis ich fast in der Mitte los lief und von dort bis zum Ende ohne Fallen durchkam. Das gab mir Zuversicht, die Line laufen zu können! Daher rollerte ich zum Teufelsturm hinüber, um von dort die ganze Line zu versuchen. Wie erwartet hatte ich in dieser Richtung eine deutlich bessere Orientierung als von der anderen Seite. Trotzdem war die erste Hälfte viel schwieriger als die Zweite und beim ersten Drittel war der schwierigste Punkt, an dem ich nach einem anfangs ruhigen Versuch catchen musste. Mit der Ruhe war es jetzt erst mal vorbei. Ich brauchte einige Versuche, um dort aufzustehen und die nächsten 10m zu bewältigen, nach denen ich wieder fiel. Danach fand ich die Ruhe, den Rest der Line zu Laufen. Mehr als die Hälfte der Line am Stück geschafft zu haben gab mir die Gewissheit, die ganze Line laufen zu können, wenn ich nur entspannt und konzentriert genug bleibe! 
Für den nächsten Versuch sammle ich frische Kräfte, indem ich etwasesse und mich eine halbe Stunde ausruhe. Währenddessen mache ich auch mein Inneres so ruhig wie möglich. Zum Abschluss der Pause dehne ich mich noch ausgiebig und fühlte mich jetzt recht ausgeruht und bereit, alles zu geben. Ich rollere wieder auf die andere Seite und stehe mit einem Electro Song im Ohr auf. Ich muss sofort wieder catchen. Nach dem Wechseln auf den selben Song, den ich auch bei der Begehung der 119m Highline gehört habe, hoffe ich, dass es laufen wird. Der gleichmäßige Beat pusht mich und ermöglicht mir die nötige Konzentration um richtig auf Bewegungen der Line zu reagieren: Der Clou ist die seitliche Bewegung der Line zuzulassen statt sie abzublocken, und das in jedem Moment! Eine falsche Reaktion führt zu einem Kampf mit ungewissen Ausgang. Doch dieses Mal komme ich bis in die Mitte, ohne so einen Kampf zu haben. Aber dort gerate ich kurz außer Balance, und muss die Line wieder ruhig kämpfen. „Oh Mann, das war knapp! Aber denk nicht ans Fallen, sondern nur daran, wie du dich bewegen musst!“ sage ich in dem Moment zu mir selbst. Dasselbe passiert noch 2 mal, da ich nicht mehr zu 100% aufs Laufen konzentriert bin sondern schon ans Ankommen denke. Doch zum Glück bekomme ich die Line auch dabei wieder unter Kontrolle. Als ich gepusht am Fixpunkt ankomme, wartet Hannes dort auf mich und wir schreien unsere Freude laut hinaus. Alle Anspannung fällt von mir ab, ich fühle mich glücklich und erlöst. Eine große innere Ruhe macht sich in mir breit!
Zum Abbau muss Hannes auf den Teufelsturm. Wir droppen die Line samt Backup, hochziehen wäre zu anstrengend. Anatolij kommt genau im richtigen Moment an, sodass er schon einmal mit dem Zusammenlegen der Line anfangen kann. Da sich die Line in der Wand verhakt, gestaltet sich das schwieriger als gedacht. Hannes und ich stoßen bei Einbruch der Dunkelheit zu ihm und helfen ihm dabei. Der anschließende Abstieg im Dunkeln ist gefährlich und langwierig. Um 23 Uhr kommen wir schließlich am Arthurhaus an, wo uns meine Freundin Tereza mit einer Flasche Sekt erwartet.

Ein riesiges Danke an alle, die geholfen haben, dieses Projekt zu verwirklichen! 
Besonders erwähnenswert ist Clemens Leidensvermögen gegenüber den Behörden, die ihm wegen der Line 1 Woche lang keine Ruhe ließen. Besonderen Dank und Respekt zolle ich dem Hexakopter Piloten Michael Radeck, der Leben und Material aufs Spiel gesetzt hat, um wunderschöne Aufnahmen aus der Luft zu machen. Danke auch Marinus und Steffen dafür, Michael samt Hexakopter beim Auf- und Abstieg geholfen zu haben.
Last but not least gilt mein Dank auch Elephant Slacklines für das geile Bluewing Band und das 135m lange Backup-Seil!


Line Facts:

Länge: 110 m
Höhe direkt: 100 m
Exponierung: > 1 km
Vorspannung: 12 kN
Mainline: Bluewing (PES, 63 g/m)
Backup: 9 mm Statikseil (55 g/m)
Datum: 09.09.2012
Laufstil: Eine Richtung (Half Man)

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